Paul Wagener - parteiloser Bürgermeisterkandidat für Netphen Impressionen aus meiner heimat dem Netpherland
Paul Wagener - parteiloser Bürgermeisterkandidat für Netphen

Büttenrede

Dem Wunsch einiger Besucher der Karnevalsveranstaltung des Netphener Gesangsvereins möchte ich gerne nachkommen und drucke hier noch einmal meine Büttenreden vom
21. Februar 2009 ab.

Liebe Närrinnen und Narren!

Büttenrede Paul Wagener Gesangsverein Netphen 2009Wir sind hier neu zugezogen nach Netphen. Wir waren schon mal da, dann lange weg, und jetzt sind wir wieder da! Weil es uns so gut gefällt - meiner Frau und „mich" ... 

Eigentlich wollte ich heute zu Euch kommen in einem Frack.
Den habe ich aber nicht mehr, den hab ich abgegeben ... wegen der Abwrackprämie...
Wahrscheinlich hat Steiner den Frack jetzt beim Bundesamt in Eschborn verhökert...

Erst möchte ich Sie alle einmal herzlich begrüßen, hohes Festkomitee, Sie verehrte Festkorona!

Ebenfalls möchte ich die Besucher aus der Nachbargemeinde Wilnsdorf begrüßen. Netphen und der NGV zeigen wieder einmal ihre Weltoffenheit und Toleranz gegenüber Gästen mit Migrationshintergrund. Die Gäste aus Wilnsdorf sind hier auf Stellensuche. (Netphen gibt auch Ihnen eine Chance, die sie in Wilnsdorf nicht bekommen ...)

Weiter begrüße ich auch unseren Bürgermeister Bartsch. Bei Rüder gibt es nämlich Baugenehmigungen. Deshalb bin ich ja heute Abend zu Euch gekommen, um darüber zu erzählen, was man dabei so alles erlebt ...

Ich sage zu Rüdiger, „ wir brauchen eine Baugenehmigung!" „Das dauert 2 Jahre!", gibt er mir zur Antwort. „Das ist aber sehr lang! Warum dauert die Genehmigung denn 2 Jahre?", frage ich zurück. „Sei bloß froh, dass du keine Umgehungsstraße beantragen musst, die dauert 20 Jahre!!", ...

Büttenrede Paul Wagener Gesangsverein Netphen 2009Apropos Umgehungsstraße: Die hat der Rüdiger mit dem Verkehrsminister Oliver Wittke eingeweiht. Der Oliver Wittke war so schnell da, man hat ihn kaum gesehen, da war er auch schon wieder weg. Wir haben von ihm nur noch einen Silberschweif am Horizont gesehen ... Und wisst Ihr, warum der so schnell weg musste? Der Verkehrsminister musste noch das Landesfestival eröffnen, das heißt „NRW nimmt den Fuß vom Gas"...
Das hat gut geklappt, er hat überall gute Presse gekriegt, hat den 1. Platz gewonnen, weil er mit gutem Beispiel voran geht, ... zu Fuß geht er jetzt in Düsseldorf spazieren: Bleifuss macht Pause ...

Endlich haben wir dann doch unsere Baugenehmigung bekommen. Der nächste Schritt war eine Vorbesprechung beim Schreinermeister Erdmöbel - An der Schnepfe - Ihr wisst wo das liegt ...- Da sehe ich an der Steigung zum Kreuzberg rauf den Schreinerlehrling mit seinem Handwagen schieben; der Junge schafft das nicht, den schweren Wagen mit einer Kirchenbank zur Kreuzbergkapelle hoch zu buggeln. Da helfe ich ihm schieben. Als wir schweißgebadet oben ankommen, sage ich ihm: Junge, bestelle Deinem Chef -Bingo- einen schönen Gruß von mir, dass ich nicht verstehe, dass er Dich ganz allein mit de schweren Sitzbank drauf hier rauf geschickt hat. Da antwortet mir der Junge: „ Ist nicht so schlimm, der Meister hat gesagt, geh schon mal los, Du wirst schon einen Blöden finden, der Dir hilft"...

Büttenrede Paul Wagener Gesangsverein Netphen 2009Da hinten sehe ich gerade noch einen Juristenkollegen raus gehen. Die Geschichte mit dem muss ich Euch noch erzählen. Wenn ich den sehe, denke ich immer daran, dass ich nach dem Bauen angeklagt wurde. Und der war mein Rechtsanwalt -Verteidiger hat er gesagt - ist er, kommt von der Kanzlei Prost, Hicks und Partner. In der Verhandlung sagt er mir dann: „Paul, es sieht schlecht für Dich aus!" "Hören Sie mal, Herr Verteidiger", sage ich, „wenn ich mit einem halben Jahr davon komme, bekommen Sie 10.000 Euro extra!"
Ja, was soll ich viele Worte machen, es hat geklappt! Nach dem Prozess sagt der Verteidiger zu mir: „Das war ein hartes Stück Arbeit, die wollten Dich doch glatt freisprechen" ...

Seit dem sagt mein Freund Karl immer, geh endlich zu einem richtigen Rechtsanwalt oder bist Du noch ganz bei Trost?" ...

Dann hat es endlich doch geklappt mit dem Haus. Was uns da noch alles passiert ist, erzähle ich Euch jetzt in einem zweiten -„künstlerisch wertvollen"- Teil:

Kurz bevor im Jahre zuvor wurde die Eigenheimzulage abgeschafft
Hab ich zu meiner Frau gesagt.
Wenn wir im Alter wollen sehn nicht alt aus,
dann müssen wir uns jetzt kaufen ein Haus.
Es muss ja auch kein großes sein,
denn unser Geldbeutel ist klein.

Unsere Suche dauert auch gar nicht lang
Das einzige was jetzt noch fehlte
war der Kredit von der Bank.
Kaum hatte der Banker unseren Wunsch gehört
Schaute er auch schon verstört.
Seine Stirn hatte er in Falten gezogen,
doch dann das ist nicht gelogen
fährt sich meine Frau durch ihr Haar verschmitzt
der Bänker fängt nun an und schwitzt,
und als sie ihm präsentiert das Dekolletee,
kriegt er große Augen
und meint es wär alles okay.

Da unser Haus nicht das neueste Modell,
hieß es erst - Wir renovieren noch schnell.
Doch trotz Kredit waren wir recht klamm,
aber meine Frau meint ihr war nicht bang
denn im „Do it yourself" Verfahren,
lässt sich mancher Euro sparen.

Es galt zunächst in allen Dingen,
das Haus auf Vordermann zu bringen.
Mit dem Tapezieren fingen wir an,
Meine schleppt Tapete ran.

Ein Urwald grün im Tropenschimmer,
war gedacht fürs Speisezimmer.
Wir schnitten jede Bahn 2 Meter,
dass es zu kurz war, merkten wir später.

Aber solche Kleinigkeiten,
wem würde das Verdruss bereiten?
Das Zeug hat an der Wand geklebt,
der Urwald wie er leibt und lebt.

Mittags dann so gegen drei
Kam unser Nachbar kurz vorbei.
„Prima" lobt der faule Tropf,
„aber Euer Wald steht Kopf".

Der Schaden war rasch zu beheben
Erneut waren wir am Kleben,
um unsere Wand die gute, alte
wieder freundlich zu gestalten.

Himbeerrosa angeschmiert,
mit Avon faltenfrei lackiert,
denn wie sagt die Werbung aus,
Avon bringt Schönheit direkt ins Haus.

Mein Freund, der guckt schon ziemlich sauer,
sprach so geht das nicht auf Dauer,
kam mit Mut und Werkzeug an,
sagte nun lasst mich mal ran.

Dann legte er mit Zang`und Hammer,
Licht in unsere Speisekammer,
ich ward blass, ich wurde blasser,
als knipste lief das Wasser,

drehte ich am Wasserhahn,
ging im Bad die Lampe an.
Geht auch alles vor die Hunde,
Do it yourself - Gebot der Stunde.

Am nächsten Morgen mir steigt die Galle,
hängt keine Maus in unserer Falle,
glaubt mir, ich guck zweimal hin,
nein, da war ein Goldfisch drin.

Als den Schreck wir überwunden,
Selbstvertrauen neu gefunden,
meinte meine Frau zu mir,
Jetzt wo alles hergerichtet wär
müsse auch ne neue Küche her.
Ich seufzte tief als ob ich ahnte,
welch neues Unglück sich anbahnte.
Für die Küche brauchten wir noch neun Kredit,
natürlich ging meine Frau wieder mit.

2 Tage haben wir gesägt, gehämmert und geschraubt,
dann war sie endlich aufgebaut.
Alle Geräte haben wir selbst montiert,
und meine Frau hat sie gleich ausprobiert.
Als sie schaltet den Kühlschrank ein, da knallt er,
es zischt und dröhnt es schmort der Schalter.
Und nach einem kräftigen Rumoren,
war im Herd der Kuchen eingefroren,
im Kühlschrank, ja was war denn hier,
ihr glaubt es nicht, da kocht mein Bier.

Geht auch das letzte Stück in Trümmer,
do it yourself - es lohnt sich immer.

Nach vielen Wochen Renovierens dann,
stand der Tag des Umzugs an.
Damit alles ohne Probleme klappt,
hatten wir tagelang alles in Kartons eingepackt.
Das Kind wurde zur Oma ausquartiert,
und die halbe Verwandtschaft als Helfer engagiert.

Wir haben alles gut gemeistert,
Boden, Küche, Keller zugekleistert.
Zur Feier des Tages dacht´ ich mir -
trinkst mit der Verwandtschaft rasch ein Bier,
kommt meine Frau, sagt: „Der Opa der ist fort,
wir laufen rum, suchen aller Ort,
finden ihn - es hat geklappt
am Hauptschalter ganz fest gebabbt.
Bei 1000 Volt war's gar nicht schön,
sprachs, und ging: Auf Wiedersehen! ...

Jüngst war die Waschmaschin`defekt,
wir die Nase rein gesteckt,

fingen dann ganz unverfroren,
an zu hämmern, sägen, bohren,
durch die Trommelglassichtscheibe,
sah`n wir uns`re Höschen treibe,

unsere Dollheit hat es vollbracht,
hat einen Reißwolf draus gemacht,
zermalmte Dessous, es wird nicht gekichert,
zum Glück sind wir Allianz versichert.

Unsere große Hilfe bleibt der Opa,
kam schneller als gedacht zurück,
nahm in Beschlag das große Sofa.
Doch nicht lang, sprang auf seine Krücke,
packt den Schrank und fing an zu rücke.
Ran ans Werk, es gab kein Halte,
so sind sie halt die junge Alte...

Begann zu hantieren her und hin
mit überzeugter Miene,
hängt er auf unsre Gardine,
das die Leiste Halt gut fand,
bohrt er Löcher in die Wand.

Hat das Wasserrohr getroffen,
fast wäre alles ab gesoffen,
trotzdem lacht er, der Banause,
sagt ganz glücklisch,
wollt` schon immer eine Brause,

geht die Wohnung auch in Stücke
Do it yourself tat ihn beglücke.

Do it yourself Gebot der Stunde,
doch wir geh`n dabei vor die Hunde.

Unser Haus, das ist nun wieder fit,
frisch renoviert der alte kitt

wir Jungen wollten feiern hier,
die Eltern, die wär`n nicht dafür,
drum wurden sie vor dem großen Toben
zu der Oma abgeschoben.

Vor dem Fest so kurz vor achte,
nahm ich den Bohrer wollte sachte,
das Parkett noch rasch polieren
damit wir uns nicht so blamieren.

Stecker rein, ich woll`t beginnen,
ein Schlag, ich schrei wie von Sinnen,
wirke ziemlich ramponiert,
so war ich elektrisiert.

Doch meine Freunde supertoll,
spiele zum Trost `nen Rock`n Roll,
um mich wieder auf die Füß zu bringen,
fingen sie noch an zu singen,

immer lauter werden die Klänge,
der Vogel lässt die Flügel hängen,
der Schwanz vom Mucki, der schlägt Trauer,
der Joghurt wird im Kühlschrank sauer
Es fliege Fetzen, landen Trümmer
Möbel liegen quer im Zimmer,
und als das Fest vorüber war,
da war plötzlich allen klar
eine Grundsanierung steht bevor:
Do it yourself - war der Tenor.

Helau - Allaf !!!

Danke an Jürgen Schade (Westfälische Rundschau) der mir freundlicherweise die Bilder zur Verfügung gestellt hat

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