Schaulaufen vor den jüngsten Wählern
Am 8.6.2009 diskutierten die drei Netphener Bürgermeisterkandidaten mit Schüler der Hauptschule Deuz über kommunalpolitische Themen: Zukunft der Hauptschule, Berufsausbildung, Freitzeitmöglichkeiten, Abbau der Schulden in Netphen. Nach kurzer Vorstellung durch den Rektor Hans Rickes moderierte Werner Stettner souverän die Podiumsdiskussion. Die Schüler der 9. und 10. Klassen, die sich sich sehr gut vorbereitet hatten, und stellten nach Gruppen und Fragenkomplexen ca. 10 Fragen, die die Kandidaten nach dem Reglement in ca. zwei Minuten beantworten mussten. Lesen Sie selbst: Den Beitrag in der "derwesten.de/Staedte/Netphen" sowie meine Anmerkung zu einer unrichtigen Behauptung eines Kandidaten
Netphen-Deuz. Rektor Hans Rickes war sich der Ehre bewusst: „So hohen Besuch hatten wir noch nie." Doch auch die 115 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen an der Deuzer Hauptschule ließen sich nicht lumpen.
Netphen-Deuz. Rektor Hans Rickes war sich der Ehre bewusst: „So hohen Besuch hatten wir noch nie." Doch auch die 115 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen an der Deuzer Hauptschule ließen sich nicht lumpen: Zwei Schulstunden lang ließen sie ihren sorgfältig erarbeiteten Fragenkatalog auf die drei Bürgermeisterkandidaten herniederprasseln.
„Angestoßen habt ihr das", sagte Geschichtslehrer Werner Stettner den Jugendlichen - mit der eher beiläufigen Bemerkung nämlich, am 30. August nicht als Erstwähler zur Kommunalwahl gehen zu wollen. „Vielleicht müsst ihr mal die Menschen kennen lernen, nicht die Plakate." Und so begann das Schaulaufen, das mancher im Publikum sonst allenfalls in Berliner Runden im Fernsehen erlebt - wenn er nicht vorher abschaltet. „Netphen hat mir viel gegeben, ich kann der Stadt Netphen einiges zurückgeben", eröffnete Wolfgang Decker wie ein Netphener Kennedy. Aber den Hauptwohnsitz in Netphen habe nur er, merkte Paul Wagener an. Was Decker nicht auf sich sitzen ließ: Der Herr Mitbewerber sei wohl in Sachen Jugendarbeit nicht auf dem Laufenden - verständlich bei einem Arbeitsplatz in Thüringen.
«Wir werden
Hilfe brauchen«
So ist das im Wahlkampf. Doch nicht nur der Steuerberater und der Ministerialbeamte beherrschen ihr Werkzeug, sondern auch der Kreissozialdezernent - wie Helmut Kneppe das Schlusswort gleich im Namen der „Kollegen" mitspricht und sich dafür auch noch kokettierend entschuldigt: Hut ab... Da dürfen dann ruhig mal ein paar Unschärfen durchgehen bei der Unkennntnis der städtischen Schuldenstandes (Kneppe, Decker) und der aktuellen Besitzverhältnisse bei den VWS (Wagener), da wird locker Unmögliches versprochen wie die sofortige Änderung des Busfahrplans (Decker, Kneppe) oder gar die Einbindung des Bürgerbusses in die Schülerbeförderung (Wagener). CDU-Mann Kneppe zeigt seinen parteilosen Konkurrenten beiläufig, wie Kompetenz aussieht: die iungen Damen und Herren siezen (wird sofort nachgeahmt), Demografie mit dem Schnuller erklären („bald nur noch im Heimatmuseum") und Fachbegriffe fallen lassen - „45a-Mittel, vergessen Sie's wieder." Solche Virtuosität macht Mut. Markus zum Beispiel, der soziale Gerechtigkeit beim Zugang zum Eishockey fordert. Die Ausstattung koste „ganz schön Schotter". Die Stadt müsse ja nicht gleich die ganzen 600 Euro pro Nase übernehmen.
Beim Parforceritt durch die Politik geht es nicht nur um Fernstraße und Ausbildung, Schwimmbad und Demografie, sondern auch um die Schule selbst. Mehr oder weniger verhalten räumen alle drei Kandidaten ein, dass Haupt- und Realschule nur im Verbund überleben werden. Rektor Rickes greift das am Schluss auf. Zumindest der Wahlsieger möge sich doch mal wieder blicken lassen: „Wir werden Hilfe und Unterstützung brauchen." Einer der Jungs ist ganz Realist, als er im Flur in den Rap-Rhythmus fällt: „Zurück ins Leben..."
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Kommentar
Die Wahrheit ist: Herr Unternehmerkandidat Decker ist auf dem Holzweg.
Zum Hintergrund: Ich hatte dargelegt, dass ein Städtischer
Jugendpfleger die Jugendarbeit vor allem in den Dörfern koordinieren
und kommunizieren sollte, zusätzliche Bedarfe feststellen etc.; darauf
fußend Freizeitangebote für Jugendliche erarbeiten, die nicht in das
traditionelle Vereinsleben integriert sind, vor allem Angebote für
Mädchen, eben offene Jugendarbeit anbieten sollte. Erfahrungsgemäß
interessieren sich Mädchen weniger für Fußball, den Schießsport oder
die Feuerwehren, die in den Ortschaften das Vereinsleben im
Wesentlichen prägen.
Darauf Herr Decker: „Den hauptamtlichen Jugendpfleger gibt es bereits.“
Das ist nachweislich falsch. Es gibt kein Amt eines hauptamtlichen
Städtischen Jugendpflegers. Allenfalls gibt es den Jugendpfleger der
CAJ, dessen Personalkosten die Stadt weit gehend trägt. Darüber hinaus
gibt es einige privat angestellte Jugendpfleger, was die Bewertung
rechtfertigt, dass in weiten Bereichen unkoordiniert und z.T. an den
konkreten Bedürfnissen der Jugendlichen vorbei Jugendarbeit geleistet
wird -ohne die Stadt; von unnötigen Angeboten einmal abgesehen. Die
konkreten Fragen der Jugendlichen haben das eindrucksvoll belegt.
Ein von Herrn D. behaupteter Städtischer Jugendpfleger entzieht
sich auch dem geltenden Haushaltplan der Stadt Netphen (und dem Anhang
Stellenplan).
Woraus Herr D. seine angebliche Kenntnis bezog, ließ er im Dunkel!
Der CDU-Kandidat pflichtete dem Unternehmer D. überraschender Weise
bei. Beide hätten es besser wissen müssen; wird der eine dem Vernehmen
nach ständig in Sitzungen der CDU-Ratsfraktion "geschult", der Andere
soll häufig präsent im Rathaus sein und Ratssitzungen als Zuschauer
besuchen. Zeit hat er dafür jedenfalls, der
Unternehmer-Bürgermeister-Kandidat! Aber: Was nützt es, wenn er Fakten
nicht mitnimmt?
Soweit der in Wilnsdorf-Obersdorf beheimatete Unternehmer D.
meinte, mir Unkenntnis unterstellen zu können, weil ich im Thüringer
Sozialministerium 42St./Wo. arbeite, fällt der Vorwurf auf ihn selbst
zurück: Obwohl Unternehmer und „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ und ständig
präsent in Ratssitzungen, weiß er nicht, dass es in Netphen an einem
Städtischen Jugendpfleger fehlt! Diesen Fauxpas sollte der Unternehmer
D., erklären! Zeigt dieser Aspekt einmal mehr, dass häufige Anwesenheit
im Rathaus allein noch kein Expertenwissen in Sachen Jugendarbeit
verbrieft– noch nicht! Das Verhalten von D. lässt mehrere Deutungen zu,
beispielsweise, dass er es nicht besser wusste oder bewusst getäuscht
hat. Welche Variante zutreffen könnte, sei dem Leser überlassen.
Abschließend sei zum Beitrag von Steffen Schwab, dessen humorvollen
Schreibstil ich schätze, eine süffisante Anmerkung erlaubt: Soweit er
meint, Unternehmer- Kandidat- Decker habe wie ein „Netpher Kennedy
eröffnet“, erscheint der Vergleich gewagt: Insidern zufolge wäre
allenfalls „Netpher Jelzin“ die passende Metapher –selbstverständlich
(nur) der Ähnlichkeit halber!
Wie Jelzin, scheint er unberechenbar zu sein: Herr D. zieht
angeblich nach Netphen. Leider weiß niemand genau, ob, wann und an wen
D. sein Haus in Wilnsdorf-Obersdorf verkauft hat und wo die angeblich
neue Bleibe in Netphen sein soll. Sollte das wahl-bedingte
Umzugsspektakel ein PR-Gag gewesen sein?
Paul Wagener
Gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von
BÜNDNIS 90/Die Grünen, F.D.P., SPD, UWG
Quelle: www.derwesten.de
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