Südumgehung ist für Bärbel Höhn "verkappte A 4"
Zu einer Trassenwanderung im Bereich der Südumgehung hatte der grüne Kreisverband am Sonntag eingeladen.
Klaus Thiel hat schon einige Kämpfe ausgefochten in den vergangenen Jahrzehnten. Der Kredenbacher Bürger setzte sich erfolgreich für eine erträgliche Gestaltung der Ortsdurchfahrten in seinem Heimatort und im benachbarten Unglinghausen ein. Jetzt steht der pensionierte Lehrer wieder in der ersten Reihe der Gegner eines Straßenprojekts: Es geht um die Kreuztaler Südumgehung.
Thiel übernahm am Sonntag die fachliche Leitung der Trassenwanderung des grünen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, der als Kronzeugin gegen mutmaßlich weiterreichende Pläne der Straßenbauer die ehemalige Landesumweltministerin Bärbel Höhn (MdB) eingeladen hatte. Und die einstige Ressortleiterin, die das rot-grüne Bündnis 1995 mitbegründete, enttäuschte ihre Anhänger und die rund 200 Bürgerinnen und Bürger nicht, die auf die Regenwanderung zwischen Mattenbachtal und Unglinghausener Höhe gegangen waren.
Warnung vor „Transferregion"
Denn die Südumgehung ist für Bärbel Höhn nichts weniger als „eine verkappte Autobahn A 4". Die Entlastung der Bevölkerung vom Durchgangsverkehr sei nur ein „Türöffner" für die vermeintlich zu den Akten gelegte Autobahn. Und nach der teils mühsamen Begehung im Bereich des Planungskorridors, über aufgeweichte Waldwege hatte die frühere Ministerin einen Eindruck davon, was Klaus Thiel meinte, der an wichtigen Stationen technische Details erläuterte: „Wie kann über diesen riesigen Berg eine Ortsumgehung gebaut werden?" Von dem Steilhang über dem Ferndorftal, wo eine 800 Meter lange Talbrücke vorgesehen ist, werde die ganze Wohnbebauung vom Lärm überschattet. Und dafür, dass auf die Tunnel verzichtet wird, hatte die grüne Politikerin auch eine Erklärung: „Weil sonst die A 4 nicht mehr angebunden werden könnte." Höhn warnte davor, dass Siegerland-Wittgenstein zu einer „Transferregion" werden. Auch ohne diese Bundesfernstraße habe die Region ihre Chance genutzt und eine starke mittelständische Wirtschaftsstruktur entwickelt. Deshalb sei auch hier zu Lande die Arbeitslosigkeit geringer als im übrigen NRW.
Mit MdL Johannes Remmel und der Kredenbacher Aktivistin Luise Flender pflanzte Bärbel Höhn am Dr. Denker-Weg über Kredenbach die inzwischen zweite Widerstandseiche. Michael Poser, Sprecher des grünen Stadtverbandes, wies darauf hin, dass mehr als 30 Organisationen sich inzwischen dem Widerstand gegen die Bundesfernstraße angeschlossen hätten. Johannes Remmel forderte „Schluss mit der Gefangenschaft der Siegerländer und Wittgensteiner" in der Schublade der Straßenplaner. Überrascht über die große Beteiligung an der Wanderung war die Kreisgeschäftsführerin Anke Hoppe-Hoffmann: „Es ist das fünfte oder sechste Mal, und jedes Mal steht die Sache schlimmer."
Quelle: Westfälische Rundschau vom 21.06.2009
Meinen Bericht über die Wanderung finden Sie hier
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